Mobilität im Alltag

Veränderung des Individualverkehrs durch KI

Unsere Städte werden sich verändern! Wie wir uns darin fortbewegen ebenfalls. Die Frage wird sein, ob wir in Zukunft überhaupt noch eigene Autos in der Stadt nutzen, denn KI wird nicht erst durch autonomes Fahren unsere Mobilität verändern. Im öffentlichen Nahverkehr geht das heute schon.

Mobilität und Lebensqualität gehen in Metropolen neue Wege

Die Industrialisierung hat unsere Städte geprägt. Sie wurden vor allem für das Automobil gebaut. Es galt zu Zeiten der Industrialisierung als das flexibelste Fortbewegungsmittel und konnte sich den entstehenden Strukturen der Industrie optimal anpassen. Das Automobil war ein wichtiger innovativer Baustein, über den sich die industriellen Prozesse schnell ausbreiten konnten. Man konnte zeitnah neue Strukturen umsetzen, Wegstrecken optimieren und so immer effizienter werden. Wahre Innovationsfreudigkeit. Aber waren Autos zu Beginn ein echter Gewinn auch für die Städte, unter anderem verschwanden Unmengen von Pferdeäpfeln von den Straßen, werden sie in ihrer heutigen Vielzahl zu einer Belastung für unsere Lebensqualität. Sogar Fahrverbote drohen.

Städte wie Kopenhagen haben das erkannt. Sie setzen schon lange auf alternative Fortbewegung, experimentieren mit ihr und den dazu gehörenden städtebaulichen Strukturen. In der Innenstadt sind heute bis zu 57% der Menschen auf Fahrrädern unterwegs, bis 2025 will Kopenhagen CO2 frei sein. Statt Autos und Parkplätzen wurden bereits wieder Entspannungszonen für Menschen geschaffen. Das Resultat: von einer der unbeliebtesten Industriestädte in den 1980er Jahren, wird heute kaum eine Stadt so mit Lebensqualität in Verbindung gebracht wie Kopenhagen.

Das hat man sich in Kopenhagen zwar gut ausgedacht. Um aber den wahren Bedarf der Menschen zu errechnen, die Wege von den verschiedenen Bezirken zu optimieren und neue Wege zu bauen, dafür hat man KI hinzu gezogen. So wird heute unter anderem errechnet, wie die Lebensqualität in einzelnen Vierteln steigen kann, indem man zum Beispiel schaut, was fehlt. Dabei probiert man immer Neues aus, experimentiert und verändert. Dabei hat Kopenhagen es gut, denn die meisten Menschen dort lieben diese Innovationsfreudigkeit - auch weil sie gelernt haben, dass Veränderung und die Erfassung und Auswertung von Daten sie weiter bringt.

Mit künstlicher Intelligenz durch Nacht und Wind - der Berlkönig

Berlin geht das Thema von einer anderen Seite an und nutzt ebenfalls eine große Portion KI für die Umsetzung. Berlin ist verstopft. Voll von Autos, die kaum mehr Parkplätze finden. Große breite Straßen, die Bezirke teilen. Das dient nicht gerade der Lebensqualität. Um die Menschen zunehmend von ihren individuellen Fahrzeugen zu entwöhnen und somit langfristig mehr Raum zu schaffen, hat man einen neuen „individuellen öffentlichen Nahverkehr“ auf die Straßen gebracht, den Berlkönig. Über eine App bucht man hier eigentlich ein „Sammeltaxi“. Aber uneigentlich ist es ganz was anderes. Der Berlkönig wird von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) betrieben und soll eine Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr sein. Ziel ist es, den privaten Autoverkehr möglichst zu reduzieren und dass zu Kosten, die für alle Menschen verträglich sind.

Der Berlkönig wird über eine App gerufen. Dort gibt man Standort und Fahrtziel ein und startet die Buchung. KI errechnet dann tausende mögliche Routen für alle derzeit in Buchung befindlichen Fahrgäste. Sie bezieht hierzu die Standorte der Fahrgäste, aller Fahrzeuge, die Reiseziele sowie die optimalen Routen nach Stadtplan ein. Hinzu kommen Echtzeit-Verkehrsdaten, welche die Route während der Fahrt permanent optimieren.
Die App stellt darauf hin den optimalen Einstiegspunkt für den Fahrgast fest und teilt ihm eine Abfahrtzeit, eine Reisezeit und einen festen Preis mit. Das alles kann der Berlkönig einhalten. Sogar, wenn während der Fahrt neue Fahrgäste mit individuellen Routenwünschen an Board kommen. Ein hochgradig komplexes System. Dank KI fährt man kaum länger als im Taxi, zahlt aber nur in etwa das Doppelte einer ÖPNV Fahrkarte. Etwas neues ist erfunden: der öffentliche Individualverkehr, möglicher Weise als Vorstufe zu autonomen Systemen.

Systeme wie dieses wären ohne KI nicht möglich. Kein Mensch wäre in der Lage, diese Unmenge an Daten so schnell zu erfassen. Sammeltaxis hatten daher früher auch feste Routen oder man fuhr deutlich länger. Sie waren dadurch unattraktiv. Heute ist das anders. Mit KI entstehen auf einmal Modelle, die eine Stadt langfristig komplett umkrempeln können. Ziel: mehr Lebensqualität und günstige Mobilität für alle. Hierzu braucht es zum einen Menschen, die sich trauen, Innovationen in die Tat umzusetzen. Dabei hilft KI, die Chancen und Risiken abzuschätzen und die Kosten. Aber wir Menschen müssen die Motivation haben, KI auf diese Reise mit uns zu nehmen - die Freude an Innovation.
Künstliche Intelligenz wird unser Verständnis von Maschinen revolutionieren – es ist entscheidend für die deutsche Industrie, ganz vorne mit dabei zu sein!
Dr. Sören Kerner, Fraunhofer-Institut (IML)

Nächster Schritt: autonomer Nahverkehr

In Städten wie ländlichen Regionen wird es zunehmend flexible autonome Nahverkehrssysteme geben. Diese produzieren eine Menge an Daten. Mehr als 1,6 Terrabite pro Fahrzeug und Tag.

All diese Daten werden mit Hilfe von KI-Systeme ausgewertet, um alle Verkehrsteilnehmer zuverlässig und sicher zu führen.

Innovationsfreudigkeit gegen den Kollaps

Man kann sich vorstellen, was passieren würde, wenn solche Innovationen nicht in die Umsetzung gelangen würden. Die Stadt würde immer mehr überquellen an individuellen Mobilitätswünschen. Im Wandel von der Industrialisierung zur Digitalisierung kann der innovationsfreudige Einsatz von KI aber schon mit wenigen Mitteln einen großen Effekt auslösen. Es lassen sich schnell Szenarien erstellen und ausprobieren. Mit KI kann man in diesem Fall die Entwicklung der Stadt beobachten.

Dabei müssten u.a. folgende Fragen beantwortet werden: Auf welchen Routen werden die neuen Berlkönige besonders viel genutzt. Verschiebt sich Verkehr von der S- und U-Bahn auf dieses neue Mobilitätsmittel, wie verändert sich der Autoverkehr, die Nutzung von Parkplätzen, die Frequenz in Ladengeschäften, die Lebensqualität. Durch ein solches Projekt kann die Struktur einer Stadt maßgeblich verändert werden. Dass dies in die richtige Richtung geschieht, dabei hilft KI und die Kompetenz bei deren Nutzern zur Innovationsfreudigkeit.

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