Kolumne
Bildungs- und IT-Experten aus Politik und Wirtschaft nehmen regelmäßig Stellung zur IT-Fitness Initiative, zur Lernplattform und zum Thema IT-Weiterbildung. Ältere Beiträge finden Sie im Kolumnenarchiv.
Digitale Medien und Werkzeuge steigern Lerneffizienz
Jedes Jahr berichtet die Presse zu Beginn des Ausbildungsjahres über Defizite der Schulabsolventen im Bereich der Kulturtechniken. Berufsausbildende Unternehmer machen gemeinhin die allgemeinbildende Schule für die Problemlage verantwortlich. Sie finden ihre Bestätigung in der Schulleistungsforschung, die bei deutschen Jugendlichen erhebliche Mängel im sprachlichen und mathematischen Bereich feststellt, nicht nur im Vergleich mit anderen Staaten, sondern auch zwischen den Ländern der Bundesrepublik.
Zu den grundlegenden Kompetenzen gehört im Informationszeitalter die sichere Beherrschung der Kulturtechniken. Diese sich anzueignen in Verbindung mit der Entwicklung von Medienkompetenz zählt zu den spannenden Aufgaben in der Schule.
Im Vergleich zu den frühen 50ern, als ich meine Schreib- und Rechenfähigkeiten in der Schule mit den Werkzeugen Griffel und Schiefertafel entwickelte – es entstanden flüchtige Dokumente auf brüchiger Unterlage –, kann der Erwerb der Kulturtechniken heutzutage in der Schule durch neue Werkzeuge und Medien wesentlich intensiver und stärker lernerorientiert gefördert werden.
Nun wird niemand die elektronischen Mittel als pädagogische Wunderwaffen ansehen, mit denen sich die Probleme zur Aneignung der Kulturtechniken wie durch Magie verflüchtigen lassen. Aber es ist auch nachgewiesen, dass das Lernen mit Unterstützung durch digitale Werkzeuge und Medien außerordentlich effizient und motivierend sein kann. Dabei spielen die Lehrerinnen und Lehrer in der Art und Weise, wie sie die Nutzung der neuen Medien im Unterricht begleiten, nach wie vor eine entscheidende Rolle für den Lernerfolg. Viele von ihnen verfügen allerdings selbst nicht über die erforderliche Medienkompetenz.
Es gibt eine Reihe von Initiativen, die sich dieser Problematik annehmen. Auf eine besonders vorbildliche sei hier hingewiesen: „Fit für den Aufschwung“ (FfdA) der Initiative IT Fitness. Dieses Angebot erscheint der neuen Kommunikationsplattform für Lehrer „Intel Lehren – Interaktiv“ dermaßen wichtig, dass es ihren Nutzern unmittelbar über die Plattform zugänglich gemacht wird. Damit geht die Erwartung einher, dass Lehrer sich inspirieren lassen, dieses hervorragend gestaltete Lernangebot nicht nur für sich selbst zu nutzen, sondern auch in ihrem schulischen Umfeld zum Lernen zu empfehlen. Zumal in den Schulen, die den Jugendlichen Berufsorientierung anbieten, gehört FfdA, wie dieses System mit Augenzwinkern von Insidern genannt wird, eigentlich in das Schulcurriculum.
Aber FfdA wäre in seiner Wirkung unterschätzt, würde es primär der Zielgruppe Schule zugesprochen. Vielmehr ist dieses System hervorragend geeignet als Einstieg in die Weiterbildung zur Entwicklung von Medienkompetenz, und zwar besonders für Menschen, die in kleineren und mittleren Betrieben arbeiten und häufig nur wenig Zeit und Gelegenheit für ihre Kompetenzentwicklung finden. Wer über FfdA einen guten Zugang zum Erwerb der Kompetenzen in der Nutzung von digitalen Werkzeugen zur Textgestaltung, für Berechnungen, für Präsentationen oder für Zeitmanagement gefunden hat, der kann danach weiterführende Angebote – wie z. B. IC3 von Certnet – im Internet nutzen und sich abschließend zertifizieren lassen.
Der Berufsbildungsbericht 2008 der Bundesregierung stellt fest: Weiterbildung ist eine Investition für den einzelnen Menschen, für das einzelne Unternehmen wie auch für die Gesellschaft insgesamt. Insofern kommt dem Angebot „Fit für den Aufschwung“, hohe Bedeutung zu. Die Doppeldeutigkeit des Produktnamens erscheint durchaus sinnvoll: Es geht sowohl um den privaten Aufschwung der Lernenden als auch um den wirtschaftlichen Aufschwung, der auf Menschen angewiesen ist, die in den grundlegenden Kompetenzen fit genug sind – im Bereich der Kulturtechniken wie auch der Medienkompetenz.
Ihr
Prof. Dr. Wilfried Hendricks
Professor am Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre der Technischen Universität Berlin. Wissenschaftlicher Direktor des IBI – Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft (Berlin)