IT in der Landwirtschaft

Interview mit Hans-Benno Wichert vom Deutschen Bauernverband über die Rolle von IT in der Landwirtschaft

Moderne Landwirtschaft setzt auf Hochtechnologie: Das zeigt die Internationale Grüne Woche in Berlin. Hans-Benno Wichert, Bildungsbeauftragter des Deutschen Bauernverbands, erklärt, wie sich der Trend im Berufsbild und in der Aus- und Weiterbildung niederschlägt. 

E-Learning gewinnt auch in der Landwirtschaft an Bedeutung

Herr Wichert, Sie sind im Bauernverband für das Thema Bildung verantwortlich und selbst Landwirt. Wie sieht moderne Landwirtschaft aus?
Die Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm weiterentwickelt, vor allem mit Blick auf ihre Produktivität. Dabei spielt Technik eine wichtige Rolle: Früher war auf dem Feld Handarbeit gefragt, dann kam der Bindemäher, später der Mähdrescher. Landwirte nutzen neue Entwicklungen, um die Arbeitsbelastung zu senken, Prozesse zu optimieren und betriebswirtschaftlichen Erfolg zu steigern. Sie sind Technikoptimisten.

Welche Chancen bieten Informationstechnologien?
Während meiner Ausbildung vor über 20 Jahren wurden Computer vor allem für die Daten- und Textverarbeitung genutzt. Mittlerweile hat sich viel getan. Neue Technologien helfen, den Herstellungsprozess und die Qualität der Produkte zu verbessern. Hohe Qualität bedeutet mehr Sicherheit für Verbraucher. Zudem fördert IT den Umwelt- und Tierschutz.

Können Sie ein Beispiel für IT in der Landwirtschaft nennen?
Beim Melkroboter etwa bestimmen die Kühe selbst, wann sie sich melken lassen. Der Melkroboter erkennt jedes Tier, reinigt das Euter und melkt es. Er erfasst, wie viel und wie häufig eine Kuh Milch gibt und wie es um die Qualität steht. Das entlastet den Landwirt – und verändert seine Arbeit: Er muss die Tiere an die Technik heranführen, die Daten kontrollieren und analysieren.

Wie beeinflussen die neuen Anforderungen an Landwirte die Aus- und Weiterbildung?
Ohne Verständnis für Technik kommt kein Landwirt mehr aus. Das Wissen und die Technikkompetenz müssen im Unterricht vermittelt werden. Die Weiterbildung war in diesem Bereich lange Zeit Vorreiter, jetzt ist das Thema auch in der staatlich anerkannten Aus- und Fortbildung verankert. Positiv ist, dass Jugendliche durch Schule und Freizeit bereits mit Computer und Internet vertraut sind. So bringen sie eine wichtige Grundvoraussetzung mit – auch für die Landwirtschaft.

Die Initiative IT-Fitness, die Microsoft ins Leben gerufen hat, fördert IT-Qualifizierung mit einer kostenlosen Lernplattform. Wie schätzen Sie so ein Angebot ein?
Das Angebot bedient meines Erachtens einen großen Bedarf. E-Learning gewinnt auch in der Landwirtschaft an Bedeutung. Landwirte sind dadurch nicht mehr an feste Termine und Orte gebunden. Als Bauernverband können wir das nur begrüßen und vorantreiben. Doch zuerst müssen die Voraussetzungen stimmen: Die ländlichen Räume brauchen eine bessere Versorgung mit Breitbandtechnik. Auch entlegene Höfe müssen an das schnelle Internet angebunden sein. Jetzt sind Wirtschaft und Politik gefragt, das Fundament zu legen, auf dem wir gemeinsam aufbauen.

Hans-Benno Wichert, Bildungsbeauftragter des Deutschen Bauernverbands

(Foto: © DBV)

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Bildungsweg konsequent weitergehen

Unter dem Titel „Rohstoff Bildung“ fand Ende Oktober der Bildungskongress der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) statt. In einem Vortag „Lernen bis zum MCAS-Zertifikat – die kostenfreien Lernmodule von IT-Fitness“ informierte eine Vertreterin der Initiative über die kostenfreien Weiterbildungsangebote und sprach abschließend mit Dipl-Ing. Hermann Röder, Geschäftsführer des ZWH.

Welches Fazit ziehen Sie nach dem Bildungskongress?

H.R.: Die Bildungskonferenz 2009 war ein großer Erfolg. Insgesamt haben dort ca. 500 Teilnehmer aus der Bildungsbranche engagiert diskutiert und sich ausgetauscht – ich kann daher ein überaus positives Fazit ziehen. Es ist sehr deutlich geworden, dass wir uns nach dem von der Bundeskanzlerin initiierten Bildungsgipfel 2008 auf dem richtigen Weg befinden. Jetzt ist es wichtig, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Einige zentrale Punkte haben sich auf der Bildungskonferenz herauskristallisiert: wir brauchen eine frühzeitige Berufsorientierung für junge Menschen, um alle Potenziale zu nutzen und Übergänge zu verbessern; wir brauchen mehr Durchlässigkeit, um Karrierewege nicht zu versperren und wir brauchen dringend mehr Investitionen in Bildung, wie sie jetzt von der neuen Regierung im Koalitionsvertrag vereinbart wurden.

Müssen die Kompetenzen der Arbeitnehmer/ Auszubildenden im Bereich Computerfertigkeiten verbessert werden?

H.R.: Gute IT-Kenntnisse sind eine Schlüsselqualifikation, die auf dem Arbeitsmarkt benötigt und vorausgesetzt wird. Die neue Studie der Initiative IT-Fitness hat eindringlich belegt, dass der Mehrzahl der Deutschen jedoch entscheidende IT-Kenntnisse fehlen – besonders große Defizite haben Schüler und Auszubildende. Die Kompetenzen von Lehrlingen und Arbeitnehmern müssen in diesem Bereich dringend verbessert werden, deshalb spielt das Thema Online-Lernen und IT-Fitness bei der ZWH eine große Rolle.

Wenn ja, sind die kostenfreien Lernmodule der IT-Fitness ein Schritt in die richtige Richtung und was können sie bewirken?

H.R.: Ja, denn so können auch Zielgruppen angesprochen werden, die sonst keinen Zugang zu IT-Angeboten hätten. Die Initiative „Lehrlinge gehen online“, bei der Auszubildende in unserem Online-Portal ihr Computerwissen kostenlos testen und verbessern können, entwickelt sich deshalb zunehmend positiv. Wichtig ist, dass die Teilnehmer von Betrieben positiv begleitet werden und Unterstützung in Bildungszentren finden, dann können die Kompetenzen im Bereich IT erheblich gesteigert werden.

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IT-Fitness im Gespräch mit Games-Expertin Ruth Lemmen

Games-Expertin Ruth Lemmen, Projektmanagerin und Referentin Medienkompetenz des Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e. V.

 

 

„Serious Games“ oder auch „Game Based Learning“ werden immer populärer. Glauben Sie, dass dieser Teilbereich der Spielindustrie in Zukunft eine größere Rolle spielen wird?

Davon bin ich überzeugt, auch wenn das nicht von heute auf morgen passieren wird. Wir haben in diesem Bereich aber schon eine enorme Entwicklung in den vergangenen Jahren erlebt. Mittlerweile gibt es bereits viele Serious Games auf dem Markt und viele Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Forschung befassen sich mit dem Thema Serious Games, beispielsweise die Bundeszentrale für Politische Bildung, die Polizeiliche Kriminalprävention des Bundes und der Länder, die UNO, aber auch Organisationen wie UNICEF und Greenpeace.

Was unterscheidet Serious Games von anderen Spielen?

Serious Games sind für mich interaktive Anwendungen, die sich der Software und der Technologien der Unterhaltungsindustrie bedienen und diese nicht für rein unterhaltsame Zwecke nutzen. Dabei kann es sich um gesundheitliche oder politische Aufklärung, Aus- und Weiterbildung, Gesundheitsprävention, aber auch Corporate Training handeln.

Was macht Ihrer Meinung nach ein gutes Lernspiel aus? Auf was sollten Jugendliche und Eltern achten?

Zunächst soll das Spielen Spaß machen, denn schließlich kann auch Lernen Freude bereiten. In einem guten Lernspiel sollten Spielspaß und Lernen gleich gewichtet sein. Bei der Entwicklung eines erfolgreichen Games sollten interdisziplinäre Expertenteams zusammenarbeiten, so dass von allen Bereichen das beste Know-how zusammenfließt.

Welche Einsatzmöglichkeiten sehen Sie für Serious Games?

Serious Games werden derzeit bereits in vielen Bereichen eingesetzt, zum Beispiel bei der Schulung von Mitarbeitern, in der Aus- und Weiterbildung, in der Medizin, aber auch bei der Aufklärungsarbeit. In der Schule haben sich Serious Games allerdings noch nicht durchgesetzt.

"Agent Attack IT" ist ein neues Serious Game der Initiative IT-Fitness von Microsoft Deutschland und Partnern. Sie haben schon in der Betaphase reinschnuppern können. Ihre Meinung?

Ich finde das Spiel sehr gelungen und auch treffend umgesetzt. Computer und IT-Kenntnisse sind heutzutage eine Grundvoraussetzung im Arbeitsalltag. Ich habe keinen Zweifel daran, dass durch das Spiel die Initiative IT-Fitness von Microsoft Deutschland und Partnern weiter befördert wird und sich zahlreiche Jugendliche für die Thematik begeistern werden. Serious Games sind ein hervorragendes Mittel, um Jugendliche anzusprechen.

Frau Lemmen, was genau ist Ihre Aufgabe als Referentin für Medienkompetenz des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware?

Ich setze mich beim BIU für Medienkompetenz und Medienkompetenzvermittlung ein. Darüber hinaus bin ich auch Mitglied der Expertengruppe „Media Literacy“, die die EU-Kommission zu diesem Thema berät. Ich bin davon überzeugt, dass man Medienkompetenz auch durch Computer- und Videospiele erwerben kann und finde es wichtig, dass in der heutigen Gesellschaft mehr Medienkompetenz vermittelt wird. Beim BIU organisiere, moderiere und plane ich zahlreiche Veranstaltungen, Konferenzen und Podiumsdiskussionen zu diesem Thema. Auch auf unserer Branchenmesse gamescom, die im August in Köln stattfindet, wird Medienkompetenz wie auch bereits in der Vergangenheit wieder ein wichtiges Thema sein.

Spielen Sie selbst oft? Falls ja, haben Sie ein Lieblings-Game?

Leider habe ich selten Zeit. Allerdings spiele ich oft mit der mobilen Spielkonsole, wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. Häufig teste ich Serious Games und Lernspiele, damit ich mich thematisch auf dem Laufenden halte. Was meine Lieblingsspiele angeht, entspreche ich wohl sehr dem Cliché. Ich spiele gerne Musik- und Bewegungsspiele, aber auch Braintrainer und Casual Games.

Eine letzte Frage: In Ihrem Job müssen Sie sicher gut mit PC und Internet umgehen können? Wie halten Sie sich IT-fit?

Die IT-Fitness kommt durch die tägliche Anwendung automatisch, allerdings stellen sich da dann auch immer wieder neue Herausforderungen. Falls es Probleme gibt, versuche ich zunächst selber eine Lösung zu finden. Wenn ich nicht erfolgreich bin, frage ich die Kollegen oder Kolleginnen und gemeinsam finden wir dann auch in der Regel eine Lösung.

Haben Sie schon den IT-Fitness-Test gemacht, auf dem die Wissensfragen im Game basieren?

Ich habe gleich zum Start der Initiative IT-Fitness im März 2007 den IT-Fitness-Test gemacht. Ich konnte zwar viele, aber nicht alle Fragen beantworten. Man lernt eben nie aus …

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