Expertenumfrage

Mehrwert durch IT-Kompetenzen

Vier Entscheider aus dem Mitarbeitermanagement geben Auskunft, wie wichtig IT-Wissen heutzutage im Berufsleben ist und wie der richtige Umgang mit dem Computer die Wettbewerbschancen auf dem Arbeitsmarkt beeinflusst.

Fabian Leers

Fabian Leers
Senior HR Business Partner CDG Europe, Bio-Rad Laboratories GmbH, Verantwortlich für 700 Mitarbeiter

Susan Meinl

Susan Meinl
Director of Human Resources, Design Hotels, Verantwortlich für 70 Mitarbeiter


Hildegard Schröder

Hildegard Schröder
Projektmanager Qualifizierung, Randstad, Verantwortlich für 3.000 interne Mitarbeiter und für die Ausbildung der Zeitarbeitnehmer

Tim Ackermann

Tim Ackermann
Regional HR Director Eastern Europe, Africa & Direct Markets, Swarovski AG, Verantwortlich für 250 Mitarbeiter


Eine TNS-Umfrage unter Personalentscheidern ergab, dass fast die Hälfte der Auszubildenden keine ausreichenden Kenntnisse am Computer hätten. Stimmt das?

Leers: Wir stellen nur 2 bis 3 Auszubildende pro Jahr ein und beschäftigen zu 70 Prozent hochqualifizierte Mitarbeiter, überwiegend naturwissenschaftlich vorgeprägte Akademiker. Bei ihnen stellen wir fest, dass der Umgang mit der IT durchaus "ausbaufähig" ist. Das mag auf den ersten Blick verwundern, aber irgendwie haben ja viele von uns schon die eine oder andere Berührungsangst bei diesem Thema.

Meinl: Unsere Bewerberinnen und Bewerber kommen alle von der Universität, sprechen meistens mindestens drei Sprachen und sind extrem gut ausgebildet. Dazu gehört auch ein sehr gutes IT-Know-how.

Schröder:Grundsätzlich ist eine positive Tendenz zu beobachten und die Kenntnisse der jungen Leute werden zunehmend besser. Besonders der Umgang mit dem Internet ist weit verbreitet. Bei den Anwenderkenntnissen, z.B. im Bereich der Textverarbeitung, sieht es ein wenig anders aus. Hier sind die Kenntnisse nach wie vor häufig unzureichend.

Ackermann: In Ausbildungsberufen mit niedrigeren Qualifizierungsansprüchen bewerben sich tatsächlich überraschend viele junge Menschen mit schlechten IT-Kompetenzen. Sie sind zwar alle auf Facebook, aber berufsrelevante Kenntnisse am Computer fehlen ihnen. Das technische Know-how von Hochschulabsolventen stellt sich häufig als sehr gut heraus. Daraus ergibt sich für mich, dass berufsrelevantes IT-Wissen mit der schulischen Ausbildung zusammen hängt. In der Primärbildung ist der Umgang mit IT nicht integriert, im Tertiärbereich werden studienbegleitende Kurse angeboten.

Welches IT-Basiswissen müssen Ihre Mitarbeiter beherrschen?

Leers: Unsere Mitarbeiter müssen fit in Excel, Word und vor allem PowerPoint sein, weil sie sehr viele Präsentationen vor Kunden halten. Allerdings stellen wir in der täglichen Arbeit fest, das über ein Drittel unserer Mitarbeiter IT-Trainings nötig haben.

Meinl: Wir als Dienstleistungsunternehmen legen extrem viel Wert auf IT-Kompetenzen bei unseren Mitarbeitern. So setzen wir sehr gute Kenntnisse in den Office-Programmen voraus.

Schröder: Randstad legt sehr viel Wert auf Anwenderkenntnisse in den Bereichen Textverarbeitung, E-Mail und Internet. Für spezifische Funktionen werden darüber hinaus auch Kenntnisse in Tabellenkalkulation oder Präsentation erwartet.

Ackermann: Es gibt heutzutage kaum einen Beruf, in dem das Programm Office nicht benötigt wird. Wenn sich bei mir jemand auf einen Assistentenjob bewirbt, dann prüfe ich auch den praktischen Umgang mit Excel oder PowerPoint. Bewerben sich zwei Personen auf eine Stelle und weisen die gleichen Qualifikationen auf, dann entscheide ich mich für die Person, die bessere IT-Kenntnisse besitzt.

Fördern Sie das IT-Wissen Ihrer Mitarbeiter?

Leers: Die Schulungen werden noch sehr klassisch durchgeführt, da die Teilnehmer sehr individuellen Förderbedarf haben. Eigentlich müssten wir hier etwas ändern, aber da wir Mitarbeiter mit sehr speziellem Wissen benötigen, sind fehlende IT-Kenntnisse im Einstellungsverfahren noch kein "ko"-Kriterium.

Meinl: Wir setzen für die Hotellerie spezifische Programme ein. Dazu gehören Reservierungssysteme und verschiedene Datenbanken. Hier setzen wir keine Kenntnisse voraus und bilden unsere Mitarbeiter entsprechend dafür aus.

Schröder: Ja. Sollten Kenntnisse im IT-Bereich für die Ausübung einer Aufgabe nicht in ausreichendem Maße vorhanden sein, schulen wir unsere Mitarbeiter. Gerade IT-Fitness ist hier ein hilfreiches Tool, um seine Kenntnisse auszubauen und an die aktuellen Anforderungen anzupassen.

Ackermann: Wir bieten diverse Förderprogramme an, dazu gehören auch IT-Schulungen.

Welche Rolle wird IT in der Zukunft spielen?

Leers: Eine große, aber ich denke, dass sich IT immer mehr den Menschen anpassen und immer anwenderfreundlicher wird.

Meinl: Wer über keine Computerkenntnisse verfügt, wird künftig keine Chance mehr haben einen qualifizierten Beruf zu erlernen bzw. Karriere zu machen. In einer globalen Welt wie unserer sind IT-Kompetenzen Grundvoraussetzung.

Schröder: Wir gehen davon aus, dass Kompetenzen im Bereich IT in Zukunft noch wichtiger werden. Es wird kaum noch Tätigkeiten geben, bei denen keine IT-Kenntnisse gefragt sein werden. Die Technisierung der Arbeitswelt nimmt zu und auch in vielen Berufsfeldern, in denen bislang keine IT-Kenntnisse gefragt waren, wird der Computer Einzug halten. Aus diesem Grund sollte sich jeder Arbeitnehmer mit diesem Thema beschäftigen.

Ackermann: In der Produktion werden noch mehr Maschinen eingesetzt werden. Und Berufstätige, die keine IT-Kenntnisse beherrschen, haben verloren. Eines Tages wird IT dazu dienen, intuitiv kreative Potentiale und Befähigungen freizusetzen, was wiederum Wettbewerbsvorteile generiert.

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