IT-Wissen – Schlüsselqualifikation im öffentlichen Dienst
Am 23. Juni fand der Tag des öffentlichen Dienstes statt. Wie modern ist der deutsche Verwaltungs-Apparat? Welche Rolle spielt IT im öffentlichen Dienst? Wie IT-fit sind die Mitarbeiter in den Behörden?
Hier die Antworten:
Noch immer besitzen zu wenige Arbeitnehmer in Deutschland berufsrelevante IT-Kenntnisse, so eine aktuelle Studie des Analystenhauses IDC. Das trifft auch auf Mitarbeiter im öffentlichen Dienst zu – ergab die IDC-Umfrage. So glauben mehr als die Hälfte der befragten Entscheider bei Bund, Ländern und Kommunen, dass bei vielen Verwaltungsangestellten beim Erwerb von IT-Basiskenntnissen noch Schulungsbedarf besteht. Doch obwohl die Personalentscheider den wachsenden Bedarf an IT-Qualifizierung erkennen, investieren sie derzeit vergleichsweise wenig in Schulungsmaßnahmen.
Dabei sollen Bund, Länder und Kommunen das deutsche E-Government (Electronic Government) bis 2020 an die Weltspitze bringen und für die Umstellung der Abwicklung von staatlichen Verwaltungsakten und Dienstleistungen bundesweit ein „gemeinsames Dach“ schaffen. Ein ambitioniertes Ziel, vor allem wenn man bedenkt, dass Deutschland im weltweiten Vergleich in Sachen Einführung elektronischer Behördendienste im Jahr 2008 von Platz 11 auf Platz 22 abgerutscht ist.
Aber es sind nicht nur die technologischen Voraussetzungen, die den Umstieg auf IT-gestützte Verwaltung erfolgreich machen. Einen ganz wesentlichen Faktor stellen die Mitarbeiter und ihre Fähigkeit dar, mit den neuen Technologien umgehen zu können. Mit rund 4,58 Millionen MitarbeiterInnen ist der öffentliche Dienst Deutschlands größter Arbeitgeber. Bereits heute sind laut der Studie „Demographieorientierte Personalpolitik in der öffentlichen Verwaltung“ der Robert Bosch Stiftung allein mehr als ein Drittel der Mitarbeiter beim Bund über 50 Jahre alt. Nur wenige von ihnen sind mit IT groß geworden.
Moderne Arbeitsplätze in Verwaltungen fordern gut ausgebildete Bewerber „IT-Wissen ist und wird in Zukunft noch deutlich stärker eine Schlüsselqualifikation in Verwaltungen sein. Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet dies, dass aus den lokal handelnden Allroundern zentral agierende Spezialisten werden – ausgerüstet mit modernster Computertechnik“, erläutert Dr. Ralph Guise-Rübe, Präsident des Landgerichts Hildesheim und langjähriger IT-Referatsleiter im Niedersächsischen Justizministerium.
Zukünftig soll innerhalb der öffentlichen Verwaltung eine noch schnellere Zusammenarbeit über Abteilungs- und Standortgrenzen hinweg durch den Einsatz von IT ermöglicht werden, das heißt, die Mitarbeiter müssen fit im Umgang mit neuen Kommunikationsmitteln wie InstantMessaging, Ad-hoc-Videoconferencing oder Desktop-Sharing sein.
„Besonders für die ‚Generation Internet‘ bieten Verwaltungen attraktive Arbeitsplätze mit innovativer Technologie und modernen Arbeitsprozessen. Je mehr IT-Qualifikationen die Einsteiger mitbringen, umso erfolgreicher ist der Start in der Verwaltung“, bekräftigt Guise-Rübe.